Mittelstand entlasten – auch durch Bürokratieabbau

In unserer grenznahen Region lässt sich bereits seit einer guten Dekade beobachten, dass zunehmend Unternehmen in das attraktivere Luxemburg abwandern. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: weniger Steuern, weniger Sozialabgaben und nicht zuletzt weniger Bürokratie. Hiervon profitieren nicht nur die Unternehmer, sondern auch die Arbeitnehmer, die täglich als so genannte „Grenzgänger“ ins Ausland arbeiten fahren. Rund 10% weniger Belastung beim Unternehmen, rund 20% mehr in der Tasche beim Arbeitnehmer – der Deal ist perfekt.

Die hiesigen Behörden werfen den EU-Unternehmern Gewinnverlagerungen oder gar Steuerflucht vor und streiten sich mit den Behörden der Nachbarländer, beispielsweise um das Anrecht auf die Mehrwertsteuer auf Dienstfahrzeuge. Hier vergessen sie jedoch folgendes: Zum einen tragen die Grenzgänger und die in Deutschland privat ansässigen Unternehmer zu einem überdurchschnittlich hohen Wohlstand in der Region bei und sorgen dafür, dass in der Eifel Geld ausgegeben wird. Zum anderen entspricht das Grenzgängertum dem europäischen Freizügigkeitsgedanken. Es muss den Bürgern überlassen sein, wo sie leben, arbeiten, sich selbstständig machen wollen.

Anstatt mit Härte gegen angebliche ins EU-Ausland verlagerte Stuerpflichten vorzugehen, wäre es sinnvoller, das Gründen und das Arbeiten in Deutschland wieder attraktiver zu machen und dafür zu sorgen, dass nicht die Gesamtheit der Eifelaner am liebsten in das kleine Nachbarland arbeiten fährt. In Deutschland leben nicht nur Superreiche und Bedürftige – Wir haben auch eine breite Mittelschicht, die auf mehreren Ebenen entlastet werden muss: Bei Steuern, Soli und Sozialabgaben. Dies darf nicht nur für die Friseurin und den Bäckergesellen gelten, sondern auch für den Buchhaltungsleiter und den Produktmanager.

Gleichzeitig muss sich etwas an der bürokratischen Last ändern, die unsere kleinen und mittelständischen Unternehmen zu tragen haben. Immer undurchsichtiger werdende Steuergesetze, unrealistische Auflagen durch BG und Gewerbeaufsicht und die ständige Verantwortung des Unternehmers, als Inkassobüro des Staates tätig zu werden sind nur einige Beispiele für eine verfehlte Wirtschaftspolitik, die niemandem zu mehr Wohlstand verhelfen und ein Hemmnis für Innovation und Frotschritt in unserer Region darstellen.

Autorin: Jessica Berner Egen